10.03.2021


Wald im Klimastress - Wie sieht der Zukunftswald aus?


Die Waldschäden in Folge des Klimawandels sind offensichtlich, gerade auch in unserer ländlichen Region, in der fast jede Gemeinde und Stadt über eigene Waldflächen verfügt. Die Frage, welchen Weg man in der Forstwirtschaft gehen kann, beschäftigt daher die hiesigen Revierförsterinnen und -förster genauso wie die kommunalen Räte.

Jörg Denninghoff, SPD-Landtagsabgeordneter, hat sich in den letzten beiden Jahren bei Ortsterminen in den Gemeinden und Wäldern ein Bild von den regionalen Schäden gemacht. Daher freute er sich sehr am vergangenen Mittwoch zwei Waldexperten zur Webkonferenz „Zukunftswald“ begrüßen zu können: Der Göttinger Professor für Waldbau und Waldökologie Christian Ammer und die Himmighofener Revierförsterin Anne Merg lieferten einen spannenden Bericht aus Forschung, Theorie und Praxis. Prof. Ammer stellte in einem ausführlichen Vortrag die Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald, der zumeist (55%) aus Nadelbäumen besteht, dar. Da Nadelbäume sehr klimaanfällig sind, sind sie erstes Opfer der Klimaveränderungen, aber auch die anderen heimischen Baumarten leiden bereits unter der Trockenheit, und Prognosen zeigen, dass diese Problematik sich auch in nächsten Jahrzehnten zuspitzen werde. So muss sich der heimische Waldbestand und die forstliche Planung an die veränderten Klimabedingungen anpassen: „Der wohlüberlegten standortsbezogenen Baumartenwahl und der Begründung von Mischbeständen kommt eine ungleich höhere Bedeutung zu als in der Vergangenheit. Für die Wiederbewaldung sollte das volle Spektrum der waldbaulichen Möglichkeiten wie Naturverjüngung, Vorwald oder (Ergänzungs-) Pflanzungen genutzt werden“, so Prof. Ammer und erläuterte dies anhand vieler Beispiele. Professor Ammer appellierte: „Die aufgezeigten Strategien sind allenfalls geeignet Symptome zu lindern. Ungleich wichtiger wäre es, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass wir unseren Lebensstil unmittelbar und drastisch ändern.“ Wie der Wald zukunftsfähig erhalten bleiben kann, und wie die Maßnahmen in der Praxis aussehen können, ergänzte Anne Merg, Revierförsterin Himmighofen und langjährige Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Sie beantwortete auch konkrete Fragen nach Insel- oder Klumpenpflanzungen, berichtete von ihren Erfahrungen mit der Pflanzung von trockenresistenten Baumarten wie Elsbeere, Esskastanie und Roteiche. „Wenn wir von Wirtschaftswald reden, dann auch von Nadelholz.“ so Merg, hier seien Pflanzungen von Douglasie und Weißtanne am besten. Denninghoff freute sich zu hören, dass die finanziellen Hilfen des Landes und Bundes als zielführend und sehr hilfreich beschrieben wurden. „Wenn es Nachsteuerungsbedarf gibt, dann melden Sie sich bitte!“ forderte Denninghoff die anwesenden Förster und Ortsbürgermeister auf. Zu der Veranstaltung hatten sich über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet, der Kreis setzte sich aus Fachleuten aus der Forstwirtschaft, wie den beiden Revierleitungen der Forstämter Nastätten, Frau Gühne und Lahnstein, Herr Nick und vielen Försterinnen und Förstern, Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder und waldinteressierten Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Denninghoff bedankte sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das rege Interesse und bei Frau Merg und Herrn Professor Ammer für die interessanten Einblicke und Anregungen zum Zukunftswald.


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